„Na Prinzesschen, hast du es dir zu gemütlich gemacht?“

von Anuschka Bacic

Prinzessin, alleine, Wald

Der vermeintliche Traumprinz gibt einem nach kurzer Zeit den Laufpass – weil man angeblich zu dick sei. Und das bei Kleidergröße 38. Mit dieser bitteren Aussage wurde Anuschka Bacic konfrontiert. Sind Männer heutzutage zu oberflächlich, haben die Medien uns ein unrealistisches Körperbild in den Kopf gesetzt und wie geht man als selbstbewusste Frau eigentlich mit so einer Abfuhr um?

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mir so etwas passiert: Ein toller neuer Mann in meinem Leben, mit dem ich mich fast blind verstehe und der sich ebenfalls in mich verliebt. Soweit alles perfekt - sowie es im Märchenbuch beschrieben steht, in dem der Traumprinz auf einem weißen Schimmel daher geritten kommt und die Prinzessin voller Tatendrang und Kühnheit aus dem Turm befreit, in dem sie sich versteckte.

 
Doch auf Wolke 7 folgt der direkte Absturz, als er mir offenbart, dass ihm meine Figur nicht gefällt. Genauer gesagt sei ich ihm nicht schlank genug und er wolle aber nicht, dass ich anfange, mich seinetwegen zu verändern. Deswegen die Entscheidung, unsere Beziehung nach kurzer Zeit doch wieder zu beenden. Scheinbar sah für ihn die Prinzessin aus dem hohen Turm von unten schlanker aus, als dann nach der Rettung auf dem Erdboden. Zur Info: Ich bin 1,65m und wiege 58 Kilogramm - trage seit Jahren Kleidergröße 38. Ja, ich habe einen kleinen Bauch und einen Po. Ich achte zwar auf meine Ernährung und treibe regelmäßig Sport, aber ich sage ab und an zu einer Pizza oder Tafel Schokolade nicht Nein. Ich will mein Leben schließlich genießen und nicht permanent Kalorien zählen.

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Nein, ich habe keine Modelmaße. Die brauchte ich bisher auch noch nie, denn Sympathie fängt meiner Meinung nach mit den inneren Werten und der Ausstrahlung an. Und nun eine Erfahrung wie diese. Ich wundere mich seit heute überhaupt nicht mehr, dass so viele Mädchen und Frauen unter Essstörungen leiden, wenn es doch solche Kerle da draußen gibt, die oberflächlich sind und das Äußere einer Frau wichtiger finden als ihre inneren Werte. Ich hielt es fast schon für einen Mythos und eine Erfindung der gängigen Massenmedien, dass Männer nur Frauen mit einem flachen Bauch und großer Oberweite attraktiv finden. Doch nun habe ich so jemanden im wahren Leben getroffen, der den Bezug zur realen Welt verloren hat. Dabei ist er selbst kein muskulöser Kerl, doch gerade das führte dazu, dass ich mich in ihn verliebte. Aus seiner Sicht wahrscheinlich total paradox...


Ich war nach seiner letzten Aussage völlig schockiert und außer mir! Wie kann mein Traumprinz nur plötzlich so einen Stuss von sich geben! Vor allem, nachdem er sich die Mühe machte, meine von mir gebaute Schutzmauer zu erklimmen und mich aus dem hohen Turm zu befreien. Das macht alles keinen Sinn für mich.

Nun habe ich zwei Möglichkeiten:


1. Ich übertrage meine Erfahrung mit diesem einen Mann auf alle anderen Männer und stemple alle Dreibeiner gleichermaßen als Schweine und Idioten ab. Darüber hinaus halte ich mein Hackebeil bereit, sollte einer von ihnen es wagen, mir je wieder zu nahe zu kommen.


Oder 2. Ich gehe in mich und erkenne die Moral von der Geschichte.

Denn diese lautet meiner ersten Erkenntnis nach nämlich wie folgt:

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Dieser Mann zeigt mir lediglich meine eigenen Unsicherheiten gegenüber meinem Körper auf, die ich tatsächlich in mir habe und bisher ignorierte. Er spiegelt also mein innerstes Selbst wider, natürlich völlig unbewusst und ohne dafür eine Medaille zu verdienen. Er zeigt förmlich mit dem Finger auf meine intimsten Komplexe, als wolle er fragen: „Na Prinzesschen, hast du es dir in deinem Turm vielleicht zu sehr gemütlich gemacht?“


Und ich erkenne, dass ich tatsächlich fauler geworden bin in den letzten Wochen und mich schon länger mein schlechtes Gewissen plagt, dass ich wieder mehr für mich und meine Fitness tun könnte. Wohl bemerkt nicht deswegen, um einem Prinzen zu gefallen, sondern um vitaler und durchtrainierter zu sein. Ebenso ertappe ich mich dabei, dass ich niemals etwas Figurbetontes zu einer ersten Verabredung anziehen würde - aus Angst, der Prinz könnte direkt auf dem Absatz kehrt machen und wieder davon reiten.

Frosch, Prinz, Kuss

Das ist sehr dumm, ich weiß. Denn nur so könnte ich direkt Prinz von Frosch unterscheiden und mir derartige Erfahrungen ersparen. Der Prinz würde bleiben, trotz fehlender Modelmaße meinerseits und der Frosch würde davon hüpfen. Ich muss also noch am meinem Selbstbewusstsein arbeiten, das weiß ich jetzt.


Hinzukommt, dass ich bisher immer dachte, wenn ich erst einmal einen Partner habe, der mich liebt und mir sagt und bestätigt, wie schön ich doch sei, trotz meiner Cellulitis-Dellen und meinem Bauchansatz, dann könnte ich das auch selbst glauben und mich ganz so annehmen, wie ich bin. Auch ohne Modelmaße...

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Doch so funktioniert das nicht, denn ich kann auch ein Pferd aus der Prinzengarde nicht von hinten aufzäumen. Daher mein Fazit: Erst wenn ich mich selbst zu 100% annehme, sowie ich bin, kann das auch mein Partner tun. Und nicht andersherum.


Schönheit liegt im Auge des Betrachters und ist zweifelsohne eine Geschmacksfrage. Eine perfekte Figur nach Schema F gibt es nicht - auch wenn das in der Gesellschaft oft so propagiert wird. Ich persönlich brauche übrigens auch keinen Mann mit einem Sixpack und will keinen Spargel-Tarzan zwischen den Bettlaken suchen müssen. Davon mal abgesehen, dass ich weiterhin mit dem Herzen sehen will und nicht mit dem Kopf, der von irrealen Bildern aus der Medienwelt oftmals verwirrt ist.

Prinzessin, Schnee, alleine

Für diesen Knallfrosch empfinde ich übrigens nur noch Mitleid. Er wird mit dieser Einstellung vieles verpassen und ihm werden wahrscheinlich noch einige tolle Frauen entgehen, die so wie ich gerade froh sein können, dass so jemand wie er wieder aus dem Leben verschwunden ist.


Wenn ich meine Lernaufgaben beherzige und meine noch vorhandenen Denkfehler korrigiere, klappt es beim nächsten Mal bestimmt mit meinem echten Prinzen und mit dem Happy End. Und dann präsentiere ich mich von Anfang an direkt auf Augenhöhe - ohne Umweg über den Turm.


Ehrenann, Manuel

Über die Autorin:


Anuschka Bacic ist Journalistin, Moderatorin und Autorin. Sie arbeitete als Fernseh-Reporterin für den NDR, den Lokalsender heimatLIVE sowie als TV Operator auf der MS Europa bzw. als Video Managerin auf der MS Amadea. Momentan ist sie Sales-Managerin für Kinowerbung.


www.anuschka-bacic.de


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Kommentare: 4
  • #1

    Matze (Freitag, 24 Juli 2015 13:51)

    Der Plan des Mannes war in diesem Fall viel primitiver und sollte eher mit einer Voll-Bremsung von 100 auf 0, in 0,5 Sekunden verglichen werden. Das Gewicht, ist im Endeffekt nur ein emotional, reaktionärer Dolchstoß, damit sie eben auch viele negative Dinge auf ihn projezieren können und diese Vollbremsung (Trennung) beidseitig funktioniert. Schließlich sucht er keine Lösung, sondern nur ein Ende. Die Wahrheit ist aber leider nicht unähnlich zu der Aussage mancher Frau, die bedeutend subtiler formulieren kann, "es reicht einfach nicht für mehr...". Viele Männer wünschten sich wahrscheinlich eine konsequente Trennung seitens der Frau, basierend auf einer Notlüge und den daraus resultierenden Schlussstrich lieber, als das "ich weiß irgendwie nicht..." oder ein "vielleicht ist das irgendwie alles nicht richtig..."

    Die Schlüsse gegen sich selbst, sind daher und in Anbetracht der Fakten (Kleidergröße 38) für mich komplett falsch. Schauen Sie in den Spiegel. Sie sind eine hochattraktive und erfolgreiche Frau, die nicht ansatzweise in Selbstzweifeln ertrinken muss. Der betreffende Mann, war anscheinend verbal-empathisch nicht das hellste Licht am Kronleuchter und suchte nur unter Stress einen schnellen und wirkungsvollen Schlusstrich.

    Alles Gute für die Zukunft!

  • #2

    chrissi (Freitag, 24 Juli 2015 16:08)

    das mit dem schlussstrich würde ich unterschreiben.. ich denke, dass es ihm einfach zu eng geworden ist und er nicht wusste, was er sonst als grund nehmen sollte.. manchmal ist ein prinz einfach nur ein frosch.. wer weiss, was Ihnen erspart geblieben ist.. es tut weh, das ist mir klar, aber wer schon solche ausreden benutzt, dem fällt sicher noch einiges anderes ein..

  • #3

    Anuschka Bacic (Dienstag, 28 Juli 2015 12:35)

    Vielen Dank für die Blumen!

  • #4

    Benjamin (Sonntag, 31 Juli 2016 09:14)

    Ich schließe mich der Aussage von Matze an und denke ebenfalls das es eine Ausrede war um Schluss zu machen. Ich sehe Dein Learning aus der Sache aber wirklich als sehr, sehr gut an.
    Dennoch gibt es durchaus solche Männer welche nur Modellmaße wollen oder fast nur auf Äußerlichkeiten achten.

    Das Gleiche gibt es aber andersherum auch (also von Frauen auf Männer bezogen) und ist wesentlich häufiger an zu treffen.
    Hier nennt es sich Hypergamie. Hypergamie ist der gewollte, gesellschaftliche Aufstieg durch Heirat oder Partnerschaft. Was ganz einfach erklärt heißt, dass Frauen immer einen Partner bevorzugen welcher gesellschaftlich und finanziell über ihnen selbst steht. Ein Mann welcher weniger Einkommen als die Frau hat oder gesellschaftlich nicht eine Liga über ihr spielt kommt für 99 % der Frauen nicht in Frage. Hierzu gab es diverse Studien und ein sehr treffender Artikel erschien 2013 in der Welt und nannte sich "Männer wollen Liebe, Frauen wollen Geld".
    Dies ist leider eine Erfahrung, welche ich so voll und ganz bestätigen kann. In meinen "schlechten Zeiten" als ich einmal arbeitslos war und auch danach nur sehr geringes Einkommen (ich bin grade erst in´s Arbeitsleben eingestiegen) erwirtschaftet habe, habe ich von vielen Frauen einen Korb bekommen, teilweise mit der Begründung "Du kannst ja sowieso keine Familie ernähren".
    Mittlerweile bin ich 33 und CIO in einer Aktiengesellschaft in der Nähe von Zürich und was ich seit dem erlebe lässt mich erschaudern und treibt mir den Ekel in´s Gesicht. Sobald Frauen wissen was ich beruflich mache, mein Auto (Geschäftswagen) und meine doch sehr gut ausgestattete Wohnung sehen werde ich sie fast nicht mehr los und wollen so quasi auf die Art, dass ich sie sofort heirate und ihnen Kinder mache. Teilweise waren diese Damen so dermaßen dreist, dass sie mich vor meiner Freundin angemacht haben. Auch habe ich es erlebt, dass ich am Bahnhof wartend von einer Frau zuerst gar nicht beachtet wurde, aber nachdem ein Anruf bei mir reinkam aus welchem man raushören konnte was ich arbeite und wen ich alles kenne, hat die Dame mich keine 3 Sekunden später angequatscht und wollte meine Handynummer haben "Man könne sich ja mal zum Essen treffen".
    Mittlerweile bin ich überzeugter Single und genieße einfach nur das Leben.

    Du siehst also liebe Anuschka, nicht nur Ihr Frauen werdet auf das Äußere reduziert, nein, uns Männern geht es teilweise nicht anders.

    Ich wünsche Dir alles Gute!

    Benjamin