Darf man Tiere jagen?

Frau, Tierschädel, Jagd

Der Tod des Löwen Cecil erhitzt die Gemüter. Kurz darauf posiert eine Buchhalterin freudig mit einer erlegten Giraffe auf Facebook. Auch in Europa sind die Meinungen zweigeteilt: Darf man Tiere zum Spaß jagen? Und nimmt man dafür den Tod von hunderttausend Hunden und Katzen in Kauf? Oder sind Jäger tatsächlich im höheren Auftrag unterwegs?

Cecil wurde 2002 geboren und lebte im Hwange-Nationalpark in Simbabwe, wo er angeblich sehr berühmt gewesen sein soll. Fakt ist, dass der männliche Löwe ein GPS-Halsband trug, mit dem er von Wissenschaftlern der Universität Oxford beobachtet wurde. Bis am 1. Juli 2015 der US-Zahnarzt Walter Palmer das Wildtier aus seinem Reservat lockte und ihn mit einer Armbrust erlegte. Nach Presseberichten starb das Tier nicht sofort, sondern musste 24 Stunden Schmerzen ertragen. Die Aufregung über die illegale Jagd war groß – sogar so weitreichend, dass Airlines nun keine Jagdtrophäen mehr befördern wollen. Das scheint Sabrina Corgatelli wenig zu stören – ganz im Gegenteil. Stolz posiert die amerikanische Buchhalterin auf ihrem Facebook-Profil vor erlegten Krokodilen, Impalas sowie einem toten Warzenschwein – und lässt sich sogar zu der Aussage hinreißen, dass Giraffen gefährliche Tiere seien.

Werbung

Fast 10 tote Tiere pro Minute

Doch wie sieht es hierzulande aus? Sind die Bestimmungen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz strenger? In Deutschland wurden in der Saison 2013/2014 unter anderem 1.151.356 Rehwilde getötet, 454.977 Feldhasen und Wildkaninchen sowie 380.494 Füchse – insgesamt ist die Statistik jedoch rückläufig. Das deutsche Jagdrecht ist auf Pflege und Sicherung des Wildbestandes ausgelegt. Auch in der Schweiz wird das eidgenössische Jagdgesetz als Artenschutzgesetz ausgelegt, während in Österreich ein Reviersystem gilt – das Jagdrecht ist untrennbar mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden. Im Gegensatz zu afrikanischen Ländern sind die europäischen Regeln also scheinbar strenger – trotzdem fordern immer mehr Tierschützer die Abschaffung der Jagd.

Die Gegner führen die Statistik auf, nach der 320.000 Jäger jedes Jahr 5 Millionen Wildtiere ums Leben bringen – was hochgerechnet 13.700 pro Tag, 570 jede Stunde und fast 10 Tiere pro Minute wären. Zudem würde alle sechs Sekunden ein anderes Tier durch Jägerhand sterben – jährlich würden einige Hunderttausend Haustiere wie Hunde und Katzen als Kollateralschaden zu den Opfern gehören.

Werbung

Die Jagdgegner sind der Meinung dass ein schneller Tod – womit die Jäger werben - in vielen Fällen nicht vorkomme. Rehe und Wildschweine würden oft nur angeschossen, wobei Expansionsgeschosse aus den schwer verwundeten, flüchtenden Tieren Blut und Darminhalte als Pirschzeichen herausschlagen würden. Die Tiere würden stundenlang unter grausamsten Qualen verenden. Ebenso wie Fallen Füchsen, Mardern aber auch Hunden und Katzen einen oft tagelangen Todeskampf auferlegen würden.

Jäger, Gewehr, Jagd

Ein Recht auf Jagd?

Die Jäger hingegen bekommen langsam Angst – dass ihr Hobby komplett abgeschafft werden könnte.
Aus Sicht der deutschen Weidmänner würde dies aber gegen das Grundgesetz verstoßen – sie sehen ihr Jagdrecht als ein verfassungsrechtlich geschütztes Eigentumsrecht. Auch in Österreich regt sich Widerstand: Christian Nittmann, der 2005 die 'Initiative zur Abschaffung der Jagd in Österreich' gründete, ist der Meinung, dass es keinen Grund für die Jagd gibt. Nur fünf Prozent seien Berufsjäger die einen Job zu erfüllen haben - die restlichen 95 Prozent würden jagen weil es ihnen Spaß mache 'Herr über Leben und Tod' zu sein. Damit seien der Korruption Tür und Tor geöffnet, weil dies vor allem Österreicher seien, die wirtschaftlich und politisch sehr gut vernetzt wären. In der Schweiz hat man hingegen im Kanton Genf schon vor über 30 Jahren die Jagd per Volksentscheid abgeschafft. Tiere und Menschen erfreuen sich an stabilen Populationen. Insbesondere der Hase war vor dem Jagdverbot vom Aussterben bedroht.

Rotwild, Reh, Wald

Fleisch ohne Antibiotika

Die Jäger kontern, dass laut Umfrage des IfA-Instituts aus dem Jahr 2008, 83 % der deutschen Befragten die Jagd für notwendig halten - um Wildbestände zu regulieren. Nur 16 % seien der Meinung gewesen, dass Jäger nur aus Lust am Töten jagen. Der Schuss eines Jägers treffe das Tier zudem unvorbereitet, weshalb keine Tierquälerei vorliege - anders als der Tod im Schlachthof, der am Ende eines Lebens in Gefangenschaft stehe. Ein anderer Jäger argumentiert, dass man Füchse wegen des gefährlichen Fuchsbandwurmes, Schwarzwild wegen der Ausbreitung der Schweinepest und Reh- wie Rotwild wegen angeknapperten Bäume schießen müsse. Zudem erhalte man durch die Wildbretgewinnung Fleisch ohne Antibiotika, die bei Massentierhaltung zugeführt würden.

Werbung

Insgesamt scheinen die Fronten verhärtet. Für den immer stärker wachsenden Anteil an Vegetarierin und Veganern scheint die Antwort auf die Frage sowieso klar zu sein. Aber auch der Großteil der europäischen Bevölkerung fragt sich: Haben Tiere ein moralisches Recht auf Leben, das wir nicht verletzen dürfen? Der Tierschützer und Philosoph Peter Singer zum Beispiel lehnt nur das Töten von Tieren ab, die Selbstbewusstsein und Zeitbewusstsein haben. Dazu gehören Primaten und Delfine - aber auch die meisten Säugetiere und Vögel. Der Autor Jonathan Safran Foer nennt in seinem Buch 'Tiere essen' ein anderes Argument: Er würde kein Fleisch essen, weil er schließlich auch nicht seinen Hund verspeisen würde. Zum Vergleich: In Deutschland leben mehr als 30 Millionen Haustiere. Darunter 5,3 Millionen Hunde. Der Vegetarier Bund Deutschland schätzte im Januar 2015, dass rund 7,8 Millionen Vegetarier und 900.000 Veganern in Deutschland leben – das sind 10 % beziehungsweise 1,1 % der Bevölkerung. Abstrakt gesehen würde somit kein Hundebesitzer Fleisch essen - und es gebe immer noch 2,5 Millionen Vegetarier die keinen Hund besäßen.

Oder wie der ehemalige Generaldirektor von Nestlé prophezeit: „Der Trend ins Vegetarische ist unaufhaltsam. Vielleicht isst in 100 Jahren kein Mensch mehr Fleisch.“ Und was heißt das für Jäger wie Walter Palmer oder Sabrina Corgatelli? Dass sie vielleicht bald selbst zu einer gejagten Art werden könnten – die möglicherweise vom Aussterben bedroht ist.



Was ist eure Meinung zum Thema? Befürwortet ihr die Jagd und das Töten von Tieren? Oder sagt ihr, dies sei Tierquälerei und müsse gestoppt werden?

Whatsapp

Artikel zum Thema:








Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Andrea (Dienstag, 04 August 2015 18:05)

    Ich esse seit 6 jahren kein Fleisch Auch weil mein Vater und mein Großvater Jäger waren. Das hat abgefärbt nur andersrum :-) Ich finde Tiere sollten nicht als Sport oder Spaß gejagt werden!

  • #2

    jonas (Dienstag, 04 August 2015 18:56)

    Ich kennen einen der fliegt jedes jahr nach afrika um da ein paar elefanten zu schießen. Das ist schon heftigst. Aber auf fleisch würde ich trotzdem nie verzichten

  • #3

    abc (Mittwoch, 05 August 2015 17:06)

    Danke für diesen interessanten Artikel!

  • #4

    Nina (Mittwoch, 05 August 2015 18:35)

    Mein verstorbeneer Opa war auch Jäger. Seit ich ihn gekannt habe, war er verbittert und mürrisch. Das hatte sicherlich auch mit dem Krieg zu tun, von dem er eindeutig traumatisiert war. Aber in dieser Generation wurden solche Dinge ja unter den Tisch gekehrt. Beim Jagen konnte er dann immer seine Aggressionen heraus lassen. Ich sage nicht, dass Jagen gut ist, aber wer weiß wie sich mein Opa gefühlt hätte, wenn er nicht einmal mehr das gehabt hätte.

  • #5

    Lola (Donnerstag, 11 Februar 2016 17:35)

    Also ich finde es schlimm wenn man jagt, um den Tieren Schmerz zuzufügen oder weil einem das töten spaß macht. Wenn man allerdings jagt weil man das Massenproduktionsfleisch mit den ganzen Medikamenten, wo die Tiere kein erfülltes leben haben konnten, nicht essen will, sondern lieber sein "eigenes" Fleisch jagt, wo man ja weiß was drin ist, dann finde ich das in Ordnung.

  • #6

    Elke Schmitt (Freitag, 21 Juli 2017 18:16)

    Ich verstehe das ganze gar nicht. Wenn die Natur in Ordnung ist, gleicht
    sich alles aus. Wenn wir sie in Unordnung bringen, müssen wir uns nicht wundern.
    Gott schuf den Menschen und die Tiere und ich persönlich finde, ein Tier muss - genau wie wir - eines natürlichen Todes sterben. Es soll solange leben, wie es lebt. Dauernd Fleisch ist sowieso schädlich und ich möchte nicht, dass ein Tier leidet, wie auch immer. Ich finde es abartig, mit einer Knarre herumzulaufen und dann auch noch zu schießen. Ich werde verrückt, wenn ich sehe, wie ein Tier leidet oder wenn ich ein Tier sterben sehe. So etwas möchte ich nicht und dazu bin ich auch nicht auf dieser Welt. Leute lasst die Gewehre. Wir brauchen keine.