Wege zum Erfolg: Emily Bold

Emily, Bold, Schriftstellerin
Foto: Emily Bold


Emily Bolds erster historischer Liebesroman, Gefährliche Intrigen, erschien im Mai 2011 als E-Book und kam unter die Top 20 Bestseller dieses Jahres in der Kategorie Romane auf Amazon. Mittlerweile hat die Schriftstellerin 17 Bücher und Novellen, sieben Übersetzungen ins Englische sowie fünf Hörbücher in vier Jahren veröffentlicht. Das Besondere daran, Emily Bold ist sogenannte Self-Publishing-Autorin. Ohne großen Verlag im Hintergrund gestaltet sie zusammen mit Ihrem Mann die Buch-Cover und kümmert sich persönlich um die Vermarktung ihrer Titel.


 

lifaa: Schon einmal vorab, Emily Bold ist ein Künstlername. Hat dieser einen Hintergrund und warum entschieden Sie sich dafür, nicht unter Ihrem richtigen Namen zu schreiben?


Bold: Mein Pseudonym sollte „amerikanisch“ klingen – Lieschen Müller passt einfach nicht zu historischen Liebesromanen. Außerdem war mir und meiner Familie von Anfang an wichtig, unsere Privatsphäre zu schützen und nicht unser gesamtes Leben öffentlich zu machen.

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lifaa: Wie läuft es derzeit mit der Schriftsteller-Karriere?


Bold: Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Noch vor einigen Jahren war es der Ritterschlag, der große Durchbruch für einen Autor, mit einem Verlag zu veröffentlichen. Heute trifft das (zumindest für mich) nicht mehr zu 100% zu. Ich konnte in den letzten Jahren mehr Bücher verkaufen, als ich es mir je erträumt hätte – und einen Großteil davon OHNE Verlag. Wenn man also die Zahl an verkauften Büchern zugrunde legt, läuft die „Karriere“ großartig. Nach mehreren Veröffentlichungen mit Amazon Publishing in Deutschland und den USA, erscheint im Herbst ein Buch von mir - bei den Ullstein Buchverlagen. Alles in allem läuft es also ganz gut. Vielen Dank.

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lifaa: Was war der Ausschlag dafür, dass Sie mit dem Schreiben begonnen haben?


Bold: Die ganze Sache ruht auf einer fixen Idee, die ich als Jugendliche – und begeisterte Liebesromanleserin – hatte: Irgendwann musst du selbst ein Buch schreiben! Die Idee hat sich dann regelrecht in meinem Kopf festgebrannt, und als ich mit meiner ersten Tochter schwanger war, begann ich die Arbeit an „Gefährliche Intrigen“.



lifaa: Die Schriftstellerei wird gerne als brotlose Kunst bezeichnet – können Sie das bestätigen oder haben Sie ganz andere Erfahrungen gemacht?


Bold: In erster Linie ist Schriftstellerei harte Arbeit. Ich arbeite in der Woche deutlich mehr als vierzig Stunden, und auch am Wochenende findet man mich oft vor meinem Computer oder am Notebook. Vom monetären Standpunkt kann ich mich nicht beschweren – ich lebe mittlerweile ausschließlich von meiner Arbeit als Autorin.

lifaa: Ihre Romane werden als historische Liebesromane betitelt – wo ist der Unterschied zwischen den berüchtigten, als 'Schundromanen' verschrienen Titeln, die am Kiosk zu kaufen sind? Haben Sie damit eine Marktlücke gefunden?


Bold: Ich denke, diese Romane haben alle eins gemeinsam: Sie erfüllen den Wunsch der überwiegend weiblichen Leserschaft nach Romantik, Ritterlichkeit und Leidenschaft. Und was man auf keinen Fall unterschätzen darf: die Fanbase dieser „Schundromane“ ist riesig! Eine Marktlücke habe ich damit sicher nicht gefunden, eher den enormen Bedarf an „Nachschub“ gedeckt.

 

 


lifaa:
Auch die Aufmachung Ihrer Buch-Cover erinnert an die, als im Volksmund bezeichneten 'Kitsch'-Titel – hatten Sie bei der Gestaltung bereits eine konkrete Zielgruppe vor Augen? Lesen Sie auch privat solche Romane?


Bold: Tatsächlich habe ich bereits als Jugendliche solche Romane regelrecht verschlungen. Und auch wenn ich heute sehr viele unterschiedliche Genres lese, gönne ich mir immer wieder gerne einen „Kitsch-Titel“ – und dafür schäme ich mich kein bisschen. Die Buchcover sollen natürlich bereits durch die Gestaltung die Zielgruppe ansprechen.


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lifaa: Woher nehmen Sie die Motivation immer neue Bücher zu schreiben?


Bold: Ich habe glücklicherweise noch jede Menge Ideen, die ich in Büchern umsetzen möchte. Solange mir diese nicht ausgehen, ist auch die Motivation kein Problem. Natürlich muss man sich ab und zu zusammenreißen, aber letztendlich ist das Schreiben mein Job.


lifaa: Wie anstrengend ist das eigene Vermarkten der Bücher?

Bold: Die Vermarktung nimmt einen sehr großen Teil meiner Arbeit ein – sicher einer der großen Nachteile des Selbstverlegens. Es erfordert immer wieder neue Ideen, sein Produkt – also das Buch – in den Fokus zu rücken. Ein „seht her, ich habe ein neues Buch geschrieben“ reicht dafür mittlerweile nicht mehr.


lifaa: Sie sind Mutter von zwei Kindern - wie schaffen Sie es, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen?


Bold: Das war anfangs tatsächlich gar nicht so einfach, denn das Schreiben sowie das ganze Drumherum nimmt eben sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch. Mittlerweile hat sich das aber gut eingependelt. Ich habe Bürozeiten wie ein normaler Arbeitnehmer, in denen ich arbeite. Und ich habe Freizeit, die meiner Familie gehört.

lifaa: Amazon wird gerne für seine alles beherrschende Marktstellung kritisiert. Ihr Erfolg begründet sich jedoch hauptsächlich auf das sogenannte Self-Publishing auf Amazon - wie ist Ihre Meinung zu der Diskussion?


Bold: Amazon hat mir damals die Möglichkeit und den Marktplatz gegeben, meine Bücher an den Leser zu bringen – und das hat mein Leben nachhaltig verändert. Amazons Konditionen für Selbstverleger sind (momentan) wirklich fair. Allerdings konzentriere ich mich seit meinen Anfängen als Autorin darauf, meine Bücher und eBooks überall erhältlich zu machen. Auch um nicht abhängig von einem Anbieter zu sein. Und ich denke, diese Entscheidung war richtig.

 

Zur Marktstellung Amazons vielleicht nur so viel: Amazon tut meiner Meinung nach nichts, was nicht andere Konzerne auch versuchen; sie wachsen und optimieren ihre Geschäftsabläufe. Der zufriedene Kunde ist der Schlüssel – und ein weit umfassendes Angebot. Garniert mit einem sehr kulanten Service und guten Preisen ist das ein Angebot, welches sich nur schwer ablehnen lässt.


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lifaa: Der Buch- und Literaturmarkt befindet sich stark im Wandel – ist Self-Publishing das Geschäft der Zukunft? Sterben die klassischen Verlage irgendwann aus?


Bold: Self-Publishing ist sicherlich ein Teil der Zukunft, und Verlage werden sich warm anziehen müssen, um Autoren langfristig an sich zu binden. Aktuell haben wohl alle größeren Verlage digitale Imprints geschaffen, um von der SP-Welle profitieren zu können. Das kann für Autoren durchaus interessant werden, denn neben dem „klassischen Weg“ über die Verlags-Lektoren eröffnen sich so neue Zugangswege zu einem Verlag. Dieser Weg ist natürlich auch für einen Verlag interessant, lassen sich doch Bücher erst – nennen wir es „testen“. Sind diese Werke erfolgreich, kann der Verlag in Buch und Autor investieren und gegebenenfalls ins „große“ Verlagsprogramm aufnehmen. An ein Sterben der Verlage glaube ich nicht, an große Umbrüche und massive Veränderungen aber durchaus.



lifaa: Wie ist Ihre persönliche Meinung zu Karriere, Erfolg und Motivation?


Bold: Ich wurde bei meinen Anfängen als Autorin oft noch belächelt. Historische Liebesromane einer deutschen Autorin? Und dann auch noch im Selbstverlag? Meine Motivation war, die Zweifler eines Besseren zu belehren. Mein Erfolg? 17 Bücher und Novellen, sieben Übersetzungen ins Englische sowie fünf Hörbücher in vier Jahren. Karriere … na, wir werden sehen. Solange mir das Schreiben Spaß macht – und noch wichtiger – solange mich meine Leser auf meinem Weg begleiten, bin ich zufrieden.



lifaa: Frau Bold, herzlichen Dank für dieses Interview!

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