Lebensmittel die eigentlich Abfall sind

Kokosnuss am Zahn lehnend

Kaviar, Rucola, Pizza – was heute als teurer Leckerbissen verkauft wird, war früher ein Arme-Leute-Essen, Unkraut oder gar Abfall. Warum es Prosecco, Grappa, Spareribs oder Coconut-Water zu hohen Preisen in die Gourmet-Tempel dieser Welt geschafft haben ist oft nur dem Zufall zu verdanken – oder einer gewieften Marketing-Strategie.


1. Kaviar – das schwarze Gold

Kaviar, das sind Fischeier der Störe - und diese werden wegen ihrer horrenden Preise oft auch als 'Schwarzes Gold' bezeichnet. Der 'echte Kaviar' kann bei 500 Gramm pro Dose oft über 2400 Euro kosten. Aber nicht immer waren die Menschen bereit so tief in die Tasche zu greifen. Erst seit dem 19. Jahrhundert werden die Fischeier als Delikatesse gehandelt – davor war es als Arme-Leute-Essen verpönt. Denn es galt vor allem als Grundnahrungsmittel für die armen Fischer am Kaspischen Meer und an der Wolga.

Das lag vor allem daran, dass die Fischer den Kavier nicht verkaufen konnten, weil er so schnell verdarb. Gerade diese Verderblichkeit ohne angemessene Kühlkette war es, die die Fischeier so interessant für Zaren, Aristokraten und Adlige machte. Einen einwandfreien Kaviar zu einem Fest zu dinieren war schwer und somit galt es als besonders beachtenswert, wenn es jemandem der oberen Gesellschaft zu einer Feierlichkeit gelang.





Der Begriff Kaviar geht vermutlich auf den iranischen Volksstamm der Khediven zurück, der am Kaspischen Meer lebte. Die Khediven waren für ihre Körperkraft bekannt und aßen viel Kaviar. Das zubereitete Störei heißt bei ihnen Cahv-Jar und bedeutete 'Kuchen der Freude'.

Wer nicht so viel zahlen möchte, greift einfach auf 'deutschen Kaviar' zurück: Das ist der gesalzene Rogen anderer Fischarten wie unter anderem vom im Atlantik beheimateten Lumpfisch - der auf den den schönen Namen Seehase hört.


2. Pizza – ein Arme-Leute-Essen erobert die Welt

Eines der beliebtesten Gericht der Welt ist nur ein Billig-Essen? Die gesamte Geschichte der Pizza ist unklar. Man geht jedoch davon aus, dass bereits die antiken Griechen und Etrusker flache Teigscheiben auf heißen Steinen am Feuer gebacken haben und sie dann mit Olivenöl und anderen Zutaten gewürzt haben. Die Römer übernahmen das Rezept und verbreiteten es in ganz Italien.

Beliebt war die Pizza vor allem, weil sie nicht viel Aufwand und Zutaten benötigte. Zudem konnte man alles was im Haushalt übrig war darauf verteilen. Erst mit der Einführung der Tomate um 1520 wurde aus dem trockenen Brot eine saftigere Pizza, die unter den einfachen Leuten in Neapel sehr beliebt wurde. Dort wurde 1830 auch die erste Pizzeria der Welt eröffnet – von dort stammt auch die heutige, international verbreitete Variante mit Tomatensoße und Käse. 1889 schließlich besichtigte der italienische König Umbertto I. mit seiner Frau Margherita die Stadt Neapel. Dort sahen sie überall auf den Straßen Leute stehen, die das runde flache 'Brot' aßen. Neugierig geworden, orderten sie drei Pizze. Die einfache Variante mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum belegt, die in ihren Farben rot, weiß und grün der italienischen Landesflagge ähnelte, fand besonderen Anklang bei Königin Margherita. Die 'Pizza Margherita' war geboren.

Ende des 19. Jahrhunderts brachten italienische Auswanderer dann die Pizza nach Amerika. 1948 wurde dort der erste Fertig-Pizza-Teig verkauft und 1957 die erste tiefgefrorene Fertigpizza angeboten. Quasi im Zirkelschluss wurde ein Billig-Essen wiedergeboren.

Pizza im Ofen

3. Prosecco – Wein minderer Qualität

Der Begriff „Prosecco“, wie wir ihn kennen, wurde 1754 zum ersten Mal in einem Gedicht von Valeriano Canati erwähnt: „Und jetzt will mir den Mund benetzen mit diesem apfelaromatischen Prosecco.“ Eine Huldigung an ein ursprüngliches Abfallprodukt. Denn Schaumwein ist eigentlich die Bezeichnung für Champagner oder Sekt. Spumante ist die italienische Variante - oft war das aber nur billiger Weißwein mit Kohlensäure. Durch neue Verordnungen wurde der Name der Rebsorte geändert und Prosecco ist nun die Bezeichnung für klar definierte italienische Schaumweine, Perlweine und Stillweine aus den Provinzen Venetien und Friaul-Julisch Venetien.

Auch der Anbau und der Vertrieb von Prosecco unterliegen mittlerweile strengen Auflagen. Davor kam es oft vor, dass Prosecco in Tankwagen von Italien nach Deutschland geliefert wurde, um dann in einer Massenproduktion in Flaschen abgefüllt zu werden. Die neuen Auflagen versprechen eine deutliche Qualitätsbesserung.




4. Rucola – vom Unkraut zur Delikatesse

Rucola hat die deutschen Küchen erobert. Die feinwürzigen, leicht nussigen Blätter geben gemischten Salaten eine pikante Note. Dabei ist Rucola nichts Besonderes. Im Gegenteil: Es ist eine wild wuchernde Pflanze, die munter in Mauerritzen sprießt. Wo es karg ist, fühlt sie sich besonders wohl: Zum Beispiel im Schotterbett von Gleisen, an Wegrändern und auf Bauschuttplätzen. Ein anspruchsloses Gestrüpp - deswegen hieß das Gewächs hierzulande auch ursprünglich Rauke und fristete ein trauriges Dasein. Als Salat war es wegen seines strengen Geschmackes nicht beliebt. Das änderte sich erst mit der Begeisterung für mediterrane Kochkunst vor rund 20 Jahren - plötzlich fand man das Grünzeug vor allem in feinen Restaurants.

Dabei galt die Rauke bereits seit dem Altertum im mediterranen Raum als Nutzpflanze. Sogar die Germanen schätzten sie als Potenzmittel. Eine andere, nicht ganz ernst gemeinte Theorie besagt, dass die Deutschen vielleicht auf den Nervenkitzel stehen - schließlich ist das Edel-Unkraut leicht zu verwechseln mit dem Jakobskreuz- oder Jakobsgreiskraut. Beide können aus einem vermeintlich gesunden Salat-Snack eine tödliche Mahlzeit machen.

Rucola mit Nudeln auf dem Teller

5. Grappa – das Getränk der Bauern

Grappa galt bis in die 1950er Jahre als Abfallprodukt bei der Herstellung von Wein, weil er aus den vergorenen alkoholhaltigen Pressrückständen dem Trester, destilliert wird. Erst zum Ende des 20. Jh. wurde Grappa von der Feinschmeckerszene entdeckt. Gute Grappas reifen mitunter etliche Jahre im Holzfass werden als hochpreisige Produkte auf dem Mark angeboten. Der Name Grappa leitet sich von der italienischen Bezeichnung graspo ab und bedeutet soviel wie Traube. Seinen Ruf als Getränk armer Bauern verlor der Grappa jedoch erst, als er nach technischer Optimierung des Destillationsprozesses in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit und Anerkennung von Gourmets erntete und sich auf der gesamten Welt verbreitete.

Allerdings avancierte Grappa bereits zu einem Nationalgetränk des neuen italienischen Staates im 19. Jahrhundert – weil sich ein neues Nationalbewusstsein herausbildete. Italienische Soldaten des Ersten Weltkrieges bekamen sogar täglich Grappa-Rationen mit der Absicht, die Schrecken des Krieges zu mildern.


6. Coconut Water – ein Marketing-Trick

Coconut Water wird seit kurzer Zeit als natürlicher Energy- oder Sport-Drink vermarktet – wegen des niedrigen Fettgehaltes und der wenigen Kalorien. Ein perfektes Beispiel dafür, wie man Dinge vermarkten kann, die eigentlich niemand vorher als hochwertiges Lebensmittel auf dem Schirm hatte.

Laut amerikanischen Wissenschaftlern der United States Food and Drug Administration sind diese Werbeversprechen aber leider nichts mehr als heiße Luft - und nicht wissenschaftlich bewiesen. Immerhin galt das Kokoswasser lange Zeit nur als Abfallprodukt und wurde nach dem Öffnen der Kokosnuss weggegossen. Wem es schmeckt, der kann allerdings trotzdem zugreifen. Viele schwören auf den nussigen und fruchtigen Geschmack. Nur besonders viele Vitamine oder Elektrolyte sollte man nicht erwarten.




7. Spareribs – oder auch Suppen-Rippchen

Spareribs sind in deutschsprachigen Landen auch als Schälrippchen, Rippchen oder Leiterchen bekannt – das sind besonders zugeschnittene Teile von Schweinefleisch. Da der Schweinebauch häufig auf der Innenseite unerwünscht stark verfettet ist, wird er in Teile entsprechend der gewünschten Verwendung zerlegt. In Deutschland werden Schälrippchen deshalb oft in Eintöpfen mitgekocht oder geschmort.


In der US-amerikanischen Küche werden Schälrippchen allerdings Spareribs genannt, sind ein typischer Bestandteil des Barbecues und damit eine Delikatesse. Der Begriff Spareribs kommt allerdings auch abgeleitet aus dem Niederdeutschen 'ribbesper' wurde von deutschen Auswanderern in die USA gebraucht und bedeutet soviel wie Schwein am Spieß.


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Kommentare: 1
  • #1

    Thao (Freitag, 25 September 2015 16:13)

    Sehr cooler Artikel :)

    Das passiert echt oft, dass ein "Arme-Leute-Essen" irgendwann doch ganz populär wird, was irgendwie auch lustig ist. Aber naja, warum nicht es schmeckt ja :)
    Meine Eltern haben am Waldrand immer irgendeine Pflanze gepflückt, die wir zuhause gegessen haben. Die gilt in Deutschland einfach nur als Unkraut. Mehr für uns, haha :)

    http://www.lootieloosplasticworld.de


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